Archiv für September 2008

Erfurt: Besetztes Haus erhalten!

Mit einer spontanen Kundgebung und anschließender Demonstration machten gestern mehr als 100 Menschen auf die aktuelle Bedrohungslage des besetzten Haus in Erfurt aufmerksam. DemonstrantInnen verteilten Flugblätter, spielten mit einem Haus aus Pappe, Spielzeugbaggern und Watte ein mögliches Szenario einer Räumung nach und zogen anschließend mit einer Demonstration lautstark durch die Erfurter Innenstadt. Die in sehr geringer Anzahl anwesende Polizei ließ alle Aktionen, trotz fehlender Anmeldung, gewähren. Weiterlesen…

Einen weiteren Bericht mit Fotos gibt es bei BlackRedPress

Besetztes Hausprojekt erhalten!

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Situationen, in denen wir uns für ein Weiterbestehen des Besetzten Hauses in Erfurt stark machen mussten. Veranstaltungen wurden untersagt oder das Gelände für nicht begehbar erklärt. Nie war jedoch die Bedrohung des Projektes auf einem Teil des ehemaligen Topf & Söhne Geländes so existenziell wie jetzt. Seit Anfang des Jahres 2007 gibt es einen neuen Besitzer, der nun alle Gebäude so schnell wie möglich abreißen möchte. Der Abriss ist schon entschieden, obwohl der Beschluss zur Änderung des Bebauungsplans durch die Stadt noch aussteht. Der Besitzer will auf dem Gelände Gewerbe und Wohnraum schaffen.
Nur das Verwaltungsgebäude soll nicht abgerissen, sondern saniert werden. Dort wird evtl. ein Geschichtsort der Stadt Erfurt entstehen, der sich mit der Firma Topf & Söhne auseinander setzen soll, die im Nationalsozialismus Krematorien für Konzentrations- und Vernichtungslager wie Auschwitz und Buchenwald produzierte.

In den Verhandlungen der Stadtverwaltung mit dem Besitzer (die Domicil Hausbau GmbH + Co. KG; Mühlhausen) wurde dem Firmenbesitzer Herr Golla zugesichert, dass er neben dem Verwaltungsgebäude über den Rest des Geländes frei verfügen kann. Diese Entscheidung wurde über die Köpfe der Besetzer_innen hinweg getroffen. Damit beschloss die Stadt das Ende eines seit 7 Jahren bestehenden selbstverwalteten Projektes, dass von vielen verschiedenen Menschen und Gruppen für politische und kulturelle Aktivitäten genutzt wird.
Im Besetzten Haus gibt es Wohnraum, Bandproberäume, Konzert- und Partyräume, ein Kino, einen Umsonstladen, einen Infoladen / Lesecafe, Werkstätten, eine Sporthalle, etc.. Neben diesen räumlichen Möglichkeiten ist das Besetzte Haus aber auch ein Ort, an dem Menschen mit rechtsextremen Weltanschauungen nicht geduldet werden und man bemüht ist, Menschen Unterstützung zu geben, die von rassistischen und sexistischen Übergriffen bedroht sind. Ein Projekt, welches in Thüringen Seltenheitswert besitzt und für viele Menschen zu einem wichtigen Bezugspunkt geworden ist.

Dieses Projekt, in das wir fast acht Jahre viel Kraft und Hoffnung gesteckt haben, lassen wir uns nicht kaputt machen!
Die Stadt hat uns bisher noch kein ernsthaftes Angebot für ein Ersatzobjekt gemacht. Schon bevor dieses Haus besetzt wurde, hatte die Erfurter Stadtverwaltung Verhandlungen um ein selbstverwaltetes Hausprojekt über Jahre verschleppt. Dadurch wirkt es zunächst in den Augen vieler Leute als Hohn, wenn die Stadt nun wieder von einem Ersatzobjekt spricht.

Wir wollen nicht darauf warten, bis uns irgendwann eine annehmbare Lösung ins Haus flattert. Wir werden für den Erhalt unseres Projektes kämpfen und hoffen auf die Unterstützung aller, denen das Besetzte Hausprojekt ans Herz gewachsen ist.

Unterstützt uns durch kreative und vielfältige Aktionen!

Die Besetzer_innen eines Teils des ehemaligen Topf & Söhne Geländes